Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entdeckten die Maler der Gutacher Künstlerkolonie – allen voran Wilhelm Hasemann und Curt Liebich – den Bollenhut für ihre Bilder. Ihre Werke gingen als Postkarten um die Welt – und prägten so das Bild des Schwarzwalds als romantisch-idyllischer Sehnsuchtsort.

Der Anfang einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Bollenhut/Heimat waren Stefan Strumbels vermummte, bewaffnete Bollenhutträgerinnen mit der provokanten Überschrift „Who killed Bambi“. Es folgten bis heute viele weitere Künstler und Fotografen, die die Schwarzwaldsymbole mal ironisch auf die Leinwand pinseln oder die Traditionen wieder kunstvoll direkt aus dem Kitsch heraus in ein neues Licht rücken.

Mit seinen mystisch-dunklen Bildern von teils tätowierten und gepiercten Trachtenträgerinnen und -trägern hat Fotograf Sebastian Wehrle aus Freiamt dem Blick auf den Schwarzwald eine weitere moderne Facette hinzugefügt und ins Bewusstsein gerufen, dass es neben der Bollenhut-Tracht noch mehr als 100 weitere Trachten im Schwarzwald gibt.

Ursprünglich arbeiteten Wehrle und der Designer und Künstler Jochen Scherzinger aus Gütenbach gemeinsam an der Modernisierung des Schwarzwald-Bilds. Mittlerweile gehen sie getrennte Wege. Für Bollenhut-Fans unbedingt einen Besuch wert ist die lebensgroße Installation von Scherzinger, der original Kirnbacher Trachterträgerinnen und -träger am Ortseingang von Kirnbach kunstvoll und modern in Szene gesetzt hat (großes Bild).

Auch die Künstler, die sich im Projekt „Kosmos Schwarzwald“ zusammengeschlossen haben, setzen sich in ihrem Werk mit dem Schwarzwald auseinander – und landen immer wieder beim Bollenhut. Dazu zählt unter anderem Gerhard Völkle aus Binzen, der Trachtenträgerinnen in neuartiger Sichtweise mit modisch gekleideten Stadtmenschen in Modelposen darstellt. Der Holzbildhauer Simon Stiegeler aus Grafenhausen hat Masken kreiert, die den Bollenhut als Motiv aufnehmen. Und Michaela Kindle hält die emotionalen Kontraste des Schwarzwalds – zwischen Mystik und Märchenhaftem, Idylle und Purismus – in ihren Fotocollagen „Schwarzwald.Anders“ fest.

* Copyright mit freundlicher Genehmigung: www.wolber.eu